kemal sunal
Allgemeines
Gemeinschaften werden von ihrenMitgliedern gegen Außenstehende abgegrenzt, ohne dass diese dasnotwendig erkennen müssten. Bei kleinen Gemeinschaften(Kernfamilien, Freundesgruppen) wird deutlich, dass Gemeinschafteneher freiwillige und eher unfreiwillige Mitglieder haben können.Beispiel: Ein Ehepaar heiratet formell freiwillig, aber ihre Kinderwerden unfreiwillige Mitglieder.
Neben den Extremen der freienWillensentscheidung und des Hineingenötigt-Werdens gibt es in derPraxis viele Gemeinschaften, bei denen die freie Willensentscheidungso eingeschränkt ist, dass sie kaum wahrnehmbar ist, ohne dass manhineingeboren wird. Ein Beispiel hierfür ist die Klassengemeinschaftin der Schule. Auch Schicksalsgemeinschaften zählen zu denGemeinschaften, etwa zunächst fremde Menschen, die einander aufGrund eines Unfalls z. B. in einem Rettungsboot über längere Zeitgegenseitig helfen.
Eigeninteresse derGemeinschaften
Eine Gemeinschaft entwickelt einEigeninteresse, welches sich an den alltäglichen Zielsetzungen derLebensführung der Mitglieder bemisst und entsprechend auf vielerleiWeise miteinander verflochten ist. Bestärkt wird dies durch einedeutliche Trennungslinie zwischen uns und den Anderen. Nicht seltenfällt deshalb der Austritt aus der Gemeinschaft nicht leicht, wirdauch behindert oder moralisch diskreditiert („Untreue“), denneinen argumentativ vorbringbaren Einzelzweck haben sie gerade nicht.Politische Zwangsverbände werden oft als „Gemeinschaften“deklariert, um ihre Mitglieder moralisch an sie zu binden, amnachhaltigsten in totalitären Diktaturen.
Grenzen der Vergemeinschaftung
Menschliche Individuen (sozialeAkteure) können „Gemeinschaften“ nur begrenzt bilden. Es istihnen praktisch nicht möglich, zu jedem Zeitpunkt in allen ihrensozialen Beziehungen gemeinsame Ziele zu verfolgen oder jeglicheHandlungen gemeinschaftlich durchzuführen. Im theoretisch strengenSinne ist es ihnen sogar nie zur Gänze möglich, obwohl sie esanders empfinden können. Der Begriff „Gemeinschaft“ ist daheroft eine missbrauchte Fiktion. Der Begriff dient dann zumeist dazu,Menschen zu von Zweckorganisationen oder von einzelnencharismatischen Personen gewünschten Handlungen zu drängen, indemder Eindruck erweckt wird, dieses Handeln geschehe für ihm teureoder lebenswichtige Gemeinschaften (vgl. Ideologie, Derivation). Sopropagierten die Nationalsozialisten den Begriff der„Volksgem