Kerstin Walther-Regazzoni
Kerstin Walther-Regazzoni
Essen fand ich schon immer toll - wie eigentlich jeder in meiner Familie. So oder ähnlich hat die Geschichte wohl jedenfalls angefangen. Obst und Gemüse wuchs bei uns immer im eigenen Garten oder wurde bei Bauern in der Nachbarschaft gekauft und gekocht wurde immer alles frisch und selbst. Vielleicht habe ich gerade deshalb immer gedacht, dass "gut kochen" (selbst, frisch, regional, saisonal) eine Selbstverständlichkeit ist. Vielleicht hat es gerade deshalb so lange gedauert, bis ich herausgefunden habe, dass es für mich mehr als eine lebensnotwendige Begleiterscheinung ist. Als der Groschen aber einmal gefallen, die Entscheidung getroffen war, ging alles ganz schnell: nach 24 Jahren habe ich der Bankenwelt ade gesagt.
Seit einigen einigen Jahren lebe ich mit meiner Familie in der "Villa Velleron" in der Provence und arbeite im eigenen Bed & Breakfast, wo ich meinen Gästen nicht nur massgeschneiderte Tipps für ihre Tagestouren gebe, sondern mich danach auch um ihr leibliches Wohl kümmere. An mehreren Abenden jede Woche koche ich mehrgängige Menüs und wenn unsere Küche einmal kalt bleibt, helfe ich gern mit Restaurantempfehlungen und -reservierungen aus. Entdecken geht schliesslich nicht nur über Augen und Ohren, sondern ganz sicher auch durch den Magen!
Wenn ihr mich jetzt fragt, wo ich Kochen gelernt habe, dann könnte ich antworten "Bei meiner Oma". Oder "an vielen Kochevents". Oder auch "am Institut Paul Bocuse". Tatsächlich habe ich dort die Liebe zu gutem Essen, sorgfältiger Auswahl der Zutaten und unverzichtbare Techniken gelernt. Am Meisten lerne ich aber noch immer beim Kochen selbst. Ich lese Kochbücher wie andere einen Roman - von vorm bis hinten. Manchmal markiere ich mir dabei ein Rezept zum Nachkochen, viel öfter aber notiere ich mir Kombinationen von Zutaten, Techniken oder Garzeiten und arbeite dann auf dieser Basis in der eigenen Küche. Wenn wir auswärts essen und mir ein Gericht besonders gut gefällt, dann versuche ich, den Geschmack oder die Textur auch in der Zuhause zu erreichen. Und so wird dann aus "einem" Rezept "mein" Rezept.