Lesch Martin 马乐
Warum hast du Sinologie studiert? Das wird jeder Sinologe gefragt. Meine Antwort: Ich habe gerne Jackie Chan Filme angeschaut. Als ich 17 war, fand ich eine Übersetzung des daoistischen Klassikers Daodejing im Bücherschrank meiner Tante. Der Text war mir ein Rätsel - die Neugier war geweckt. Es sollte Richtung China gehen nach dem Zivildienst. Während des Zivis machte ich einen Sprachkurs an der Vhs, dann ein Praktikum in Shanghai - ich hatte mein Fachgebiet gefunden. Eine gute Entscheidung, ich blieb dabei.
China hatte es mir angetan - seine Fremdheit hatte mich angezogen, meine Kenntnisse der chinesischen Sprache ließ mich hinter die Kulissen schauen. Mein Nebenfach Interulturelle Kommunikation gab mir das theoretische Wissen dazu in die Hand und ermöglichte tiefere Einblicke. Geduldig erwarb ich mir den "Zhongguotong", ein Kompliment und eine Auszeichnung von Chinesen die dazu berechtigt, konstruktiv mit ihnen über ihr Land zu sprechen.
Nach China ging es in schnellen Schritten auf den Magister zu - das Abschlussthema hatte ich schnell gefunden: Chinesische Internetpolitik. Hier konnte ich mein Lieblingsthema - das chinesische Intranet - von einer Seite her bearbeiten. Zensur gehört natürlich dazu aber auch andere Mechanismen der Kontrolle, wie sie auch in den westlichen Ländern unter Protest der Zivilbevölkerung praktiziert wird. Darüber wurde schon viel geschrieben. Mein Beitrag dazu war es, den offensiven Umgang staatlicher PR (Public Relations sowie Propaganda) mit den neuen Kanälen, allen voran den Microblogs, zu untersuchen und zu beschreiben.
Bei Sinik, der studentischen Initiative für interkulturelle Kompetenz durfte ich mit engagierten Kommilitonen interkulturelle Trainings konzipieren und durchführen - jede Minute hat sich gelohnt!