Mirjam Hirsch aus Haiger
Ich wurde 1936 im Krankenhaus in Haiger / Dillkreis geboren. Mein Vater, Hugo Hirsch, hatte in der Kreuzgasse 7 in Haiger ein Sattler- und Polstergeschäft. Meine Mutter Adele (geb. Simon) kam aus Ehringshausen im Dillkreis.
Im November 1938 wurde mein Vater von der Gestapo verhaftet und nach Buchenwald verschleppt. Er kam im Januar 1939 zurück und durfte sein Geschäft nicht mehr führen.
Als er im August 1939 erneut von einer bevorstehenden Verhaftung hörte, floh er nach England. Meine Mutter zog mit meiner Schwester und mir zurück in ihr Elternhaus nach Ehringshausen.
Am 10.Juni 1942 wurden wir mit dem Zug nach Frankfurt gebracht.
In den frühen Morgenstunden des 11.Juni 1942 geht der Transport „DA 18“ vom Frankfurter Ostbahnhof ab. Ich sitze mit 1252 anderen jüdischen Menschen in Güter- und Viehwaggons. Wir wurden in einer langen Fahrt in die Nähe von Lublin, im besetzten Ostpolen gebracht.
Im KZ Majdanek wurden die jungen Männer, die als arbeitsfähig galten, ausgesondert. Es waren ca. 180 bis 250 Männer. Wir anderen wurden nach Izbica gebracht. Dort hatten wir einen kurzen Aufenthalt.
Von Izbica ging die Fahrt weiter in das Konzentrationslager Sobibor. In Sobibor wurden wir gleich aussortiert.
Wir wurden in Gaskammern gebracht. Davon gab es in Sobibor 6 Stück. Die Gaskammern wurden mit den Abgasen eines LKW-Dieselmotors gefüllt. Nach ca. 20 Minuten bin ich qualvoll an den Kohlenmonoxiden erstickt.
Als ich starb war ich noch nicht mal sechs Jahre alt.
Ich wurde umgebracht, weil meine Eltern der jüdischen Religionsgemeinschaft angehörten.